Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

90. Geburtstagsfeier von Renè Fournier

Flug nach Amboise


>>> Diaschau mit allen Fotos


Renè Fournier wurde in diesem Jahr 90 Jahre alt. Der Club Fournier International (im weiteren: CFI) hatte zu seiner Geburtstagsfeier auf das Chateaux Nitray in der Nähe von Amboise, an der Loire, geladen. Vom Aeroclub 77 in Mönchengladbach waren Miguel Rubia und Christian Müssemeyer dabei, hier ihr Bericht:


Wir starteten gegen 13.00 Uhr mit unserem Motorsegler, der Grob-109 b, D-KEOI und flogen von Mönchengladbach Richtung Aachen. Dort überquerten wir die deutsch-belgische Grenze, flogen weiter nach Spa und von dort über die Ardennen zum VOR Montmedy. Der Flug über die Ardennen ist immer wieder schön: Hier wechseln  riesige Wälder und Wiesen ab, es sieht aus wie eine Märchenlandschaft. Wir flogen in einer Höhe von 4.500 ft, der besten Höhe um über die Ardennen zu kommen, und hatten Montmedy nach einer Stunde erreicht.


Von hier war nunmehr alles flach, es ging rechts am Flugplatz Chalons Vatry vorbei zum VOR Bray, dieses liegt südöstlich von Paris. Kurz zuvor hatten wir die Seine überquert, die uns auf der rechten Seite noch ein Stück begleitete. Links tauchte die Stadt Montargis auf und wenig später überflogen wir den Flugplatz Orleans St. Denis de L’Hotel. Danach überquerten wir die Loire, rechts von uns lag Orleans mit seiner großen Kathedrale. Wir folgten der Loire und mussten aufpassen, nicht in das Sperrgebiet, das um das Kernkraftwerk bei St. Laurent Nouan eingerichtet wurde, zu fliegen.


Wir umflogen es südlich und waren nun im Herzen Frankreichs, an der Schlösserroute entlang der Loire. Unter uns waren riesige Wälder und vor uns tauchte das Schloss Chambord, (Gallisch: Furt an der Krümmung) auf, das größte Schloss an der Loire mit 700 Zimmern und einer kunstvoll in sich verschlungenen Treppe. Das Schloss ist von einem riesigen Park umgeben, der von einer 32 km langen Mauer eingeschlossen wurde, damit das Wild, welches im Mittelalter von den Adligen gejagt wurde, nicht einfach abhauen konnte. Während die Männer das Wild jagten, schauten die Damen vom Balkon aus zu (und lästerten wahrscheinlich über die wild jagenden Männer). Man führte damals sogar Jagdbücher, genauso wie wir Flugbücher führen.


Zur Steigerung der Lebenslust hatte man sogar Kanäle und kleine Seen angelegt auf denen man mit kleinen Booten rudern konnte, bzw. sich rudern ließ, um sich die Zeit zu vertreiben, denn der größte Feind der Menschheit ist ja bekanntlich die Langeweile.


Wir wechselten von der Loire zur Cher. Hier liegt ein weiteres Schloss, Chenonceaux, selbiges besichtigten wir am nächsten Tag. 5 Minuten später überflogen wir den Flugplatz von Amboise und sahen, dass bereits einige RF’s gelandet waren. Patrick Faucheron, der CFI Chef aus Speyer war mit einer Gruppe von RF-Flugzeugen schon da. Patrick flog in seiner D-KOPF mit Lutz Pritschow, dem Fluglotsen aus Langen. Sabine Humm flog in ihrer RF 4, Erwin und Eva Müller sowie Peter Bölzle mit Ehefrau in ihren beiden RF 5. Christian Zok (Zokki) und Sven Russ kamen mit ihrer RF-4 bzw. RF-5 aus Siegerland, Heinrich Sturm kam mit seiner RF-4. Alfred Scherer kam als mit seinem Enkel in einem RF-5 Sperber.


Beim Landen hatten wir überhaupt keine Probleme im Funk, denn uns antwortete niemand. Deshalb schauten nach dem Wind und landeten eigenständig. Wir sind inzwischen durch die CFI Flüge so verdorben, dass wir auch ohne Anwesenheit eines Flugleiters landen können. Und das funktioniert immer wieder.




Der Flugplatz war voll in der Hand des CFI. Piloten aus Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz hatten das Ruder übernommen. Leider war die Chefin des Restaurants gerade weg gefahren, um das Abendessen zu holen. Deshalb mussten wir unseren ersten Durst mit normalem Wasser bzw. Cola und anderen ungesunden Getränken löschen, anstatt mit einem reinen Bioprodukt (Bier). Das fiel uns schwer!


Patrick Faucheron hatte uns geschrieben, es sei nur ein kurzer (Fuß)-Weg bis zur Unterkunft, einem alten Schloss in La Croix en Touraine.  Glücklicherweise fuhren uns französische CFI-Mitglieder zu dem Schloss, denn es waren mindestens 10 km und wir wären lange gegangen.

Nachdem wir unsere Sachen dort abgestellt und unsere Zimmer in Beschlag genommen hatten, fuhren wir wieder zum Flugplatz zurück. Am Anfang glaubten wir, verhungern und verdursten zu müssen, aber es war alles perfekt vorbereitet. Patrick Faucheron kochte die Kartoffeln indem er die Herdplatte anstellte und das Kochen überwachte. Wenig später kamen Michel und Beatrice Leblanc mit dem Essen. Es gab eine Spezialität der Gegend von Amboise, nämlich Würste, die stundenlang in einem speziellen Sud aus Weißwein mit Kräutern gekocht wurden. Dazu gab es Patricks gekochte Kartoffeln sowie Salat und Baguette nunmehr auch ausreichend Bier. Das Ganze schmeckte hervorragend und wir waren glücklich und satt.


Am nächsten Morgen nach dem Frühstück fuhren wir mit einem Großraumtaxi nach Amboise. Dort gibt es eine Burg mit einem Turm der so groß gebaut wurde, dass man mit Pferden in die erste und zweite Etage reiten konnte. Ich finde das bemer-kenswert, denn wie soll man sonst sein Pferd mit ins Wohn- bzw. Esszimmer oder Schlafzimmer nehmen?


In Amboise besichtigten wir das Leonardo da Vinci-Museum. Dieser hatte die letzten 3 Jahre seines Lebens in Amboise verbracht hatte. Er sollte für den französischen König Waffen erfinden. Es ist erstaunlich, was er alles entdeckt und erfunden hat. So versuchte er zeitlebens, eine Flugmaschine zu konstruieren, allerdings fehlte ihm ein entsprechender (Sauer) Motor. Im Museum wurden auf zahl-reichen großen Flachbildschirmen Flugsimulationen seiner Apparate gezeigt, die sehr beeindruckend waren. Das Museum steht in einem riesigen schönen Park, in dem viele Geräte, die Leonardo da Vinci erfunden hat, ausgestellt sind.


Nachdem wir dieses Museum besichtigt hatten, beschlossen wir ganz spontan, zum Schloss Chenonceaux zu fahren. Wir hatten nicht viel Zeit, aber es reichte aus, um sich einen ersten Eindruck von Chenonceaux zu verschaffen. Das Schloss Chenonceaux wurde u.a. vom französischen König Louis XIV bewohnt, es liegt am Fluss Cher, den es mit 5 Brückenbögen überspannt. Über die Cher wurden die Lebensmittel für die Fressfeste mit Lastkähnen direkt in die Küche geliefert, dort zubereitet und den edlen Herrschaften kredenzt. So ließ es sich leben!


Wir kehrten zuerst zu unserem Unterkunft zurück und fuhren anschließend zum Flugplatz Amboise, dort hatten sich rund 150 Personen eingefunden. Rene Fournier, dem wir die RF-Flugzeuge zu verdanken haben, war am Flugplatz. Mit seinen 90 Jahren ist er sowohl körperlich als auch geistig immer noch total fit. Vom Flugplatz Amboise wurden wir von örtlichen CFI-Mitgliedern in ihren Pkws zu dem Chateau Nitray gefahren, wo die Geburtstagsfeier für Renè Fournier stattfand.


Das Chateaux Nitray ist ein riesiges Weingut. Im Hof war ein langer Tisch für Fingerfood und Getränken aufgebaut. Aus einem Rosebrunnen ragten 4 gebogene Rohre heraus, aus denen ständig gekühlter Rose sprudelte, den sich jeder Gast selbst in sein Glas füllen konnte. Allein die Idee, so etwas zu bauen, ist genial, und mit Sicherheit auf den Geist Leonardo da Vincis zurückzuführen.


Auf einem ehemaligen Dachboden einer Scheune des Chateaus hatte man 15 Tische festlich eingedeckt, an jedem Tisch konnten 10 Personen Platz nehmen. Hier war ein reichhaltiges Buffet aufgebaut und nachdem Michele Leblanc, der Präsident des CFI, eine Rede für Renè Fournier gehalten hatte und auch Heinrich Schliwa, der für die Produktion auf der Dahlemer Binz für die RF-4 und RF-5 verantwortlich war, eine Würdigung für Rene Fournier aussprachen, konnten sich die geladenen Gäste an dem Buffet bedienen. Das Essen war, wie immer in Frankreich, sehr gut. Spät abends wurden wir wieder von örtlichen CFI-Mitgliedern zu unserem Schloss gefahren. Die ganze Organisation war hervorragend.


Am nächsten Morgen nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns voneinander und wurden wieder von CFI-Mitgliedern zum Flugplatz Amboise gefahren. Der Rückflug war trotz der Unkenrufe zweier deutscher CFI-Mitgliedern (Ruthmann u.a.), die sicherheitshalber im Pkw gekommen waren, sehr gut. Das schlechte Wetter, welches aus dem Westen kam, war kurz vor Amboise stehen geblieben. Wir hatten beste Sicht und bis zu 20 Knoten Rückenwind und waren nach drei Stunden wieder in Mönchengladbach.


Der Ausflug war schön. Der CFI hat inzwischen eine länderübergreifende Funktion. Zu solchen Treffen kommen regelmäßig Piloten aus mehreren Ländern, wie Frankreich, Deutschland, Belgien, Schweiz, Italien, England usw. Viele der CFI-Piloten kennen sich von den CFI-Flügen untereinander, an denen meistens Piloten mehrerer Länder teilnehmen. Jeder dieser Flüge ist ein Erlebnis.



Christian Müssemeyer

 

CFI Amboise 2011